Guppy: Steckbrief, Haltung & Wissenswertes

Guppys
Guppy (Poecilia reticulata) | fotolia.com

Der Guppy (lat. Poecilia reticulata), auch als Millionenfisch bekannt, ist der wohl bekannteste und verbreitetste Aquarienfisch überhaupt. Guppys sind durch bunte Farben und ihre prächtigen Schwanzflossen optisch sehr ansprechend. Diese pflegeleichten und gleichzeitig schönen Tiere sind sowohl bei Aquarium Anfängern, als auch bei Fortgeschrittenen beliebt. Aufgrund der großen Verbreitung von Guppys sind viele Hochzuchtformen in verschiedensten Farbschlägen und Flossenformen erhältlich.

In diesem Guppy Ratgeber erfährst du alles wichtige über das richtige Aquarium, Fütterung, Wasserwerte und Vergesellschaftung mit anderen Fischen.

Steckbrief: Guppy (Poecilia reticulata)

wiss. Name:Poecilia reticulata
Familie:Lebendgebärende Zahnkarpfen
Herkunft:Mittelamerika und Brasilien
Größe:3 – 6 cm
Lebens-erwartung:ca. 4 Jahre
Wassertemp.20 – 30°C
pH-Wert:6 – 8,5
Gesamthärte:unter 30°
min. Beckengröße:ab 54 Liter

Herkunft & Verbreitung

Ursprünglich stammen Guppys aus dem nördlichen Teil Südamerikas, sowie Süßwassergewässern einiger karibischer Inseln. Entdeckt wurde der Fisch erstmals von Robert John Lechmere Guppy, wodurch auch der Name entstanden ist. Zu den natürlichen Herkunfsländern zählen Brasilien, Venezuela und franz. Guayana.

Unter anderem durch Aquarianer, die ihre Fische aussetzten, sind Guppys heutzutage in tropischen und subtropischen Gewässern auf der ganzen Welt als Neozoon anzutreffen. Durch ihre robuste Art und eine sehr hohe Vermehrungsrate, können sie in vielen warmen Gewässern dieser Welt überleben.

Auch in Deutschland sind Guppys in freier Wildbahn anzutreffen. Sie können allerdings nur in der Nähe von Thermalquellen wie Ausläufen von Kühlwasser überleben.


Guppy Haltung

Guppys gehören zu den verbreitetsten Aquarienfischen weltweit. Die einfache Pflege trägt einen großen Teil an seiner Beliebtheit bei. Guppys mögen Gesellschaft von Artgenossen und können in Gruppen ab 5 Tieren gehalten werden.

Fütterung

Guppy Fütterung
Guppys bei der Fütterung | fotolia.com

Guppys sind Allesfresser. In der Natur ernähren sie sich sowohl von jungen Algen und Pflanzen, als auch von kleinen Tieren wie Jungfischen, Insekten & Schnecken.

Als Hauptfutter genügt Guppys Trockenfutter. Trockenfutter in Flocken- oder Granulatform enthält einen guten Mix aus Nährstoffen. Lebendfutter kommt der natürlichen Ernähungsweise zwar am nächsten, ist aber auch deutlich teurer und aufwendiger in der Anschaffung. Ab und zu kann man mit etwas Frostfutter (z.B. Mückenlarven) für Abwechslung sorgen.

Da Guppys ihr Futter sehr schnell verdauen, sollten sie häufig, aber dafür in kleinen Mengen gefüttert werden. Wenn die Fütterung ab und zu für einen Tag ausfällt ist dies nicht weiter schlimm. Erwachsene Guppys kommen problemlos einige Tage ohne Futter aus.

Wie immer ist bei der Fütterung darauf zu achten, dass das gesamte Futter gefressen wird und so wenig Futter wie möglich auf dem Boden landet. Futterreste sorgen für eine starke Belastung des Wasser.

Wasserwerte

Guppys können in fast allen Gewässern leben. Sogar in stark verschmutzten Gewässern und Brackwasser kommen Guppys in der Natur vor. Guppys sind in Sachen Wasserwerte zwar sehr robust, reagieren auf starke Veränderungen des Wassers aber sehr empfindlich.

Es ist also darauf zu achten, dass die Fische beim Züchter / Händler in Wasser von ähnlicher Qualität gehalten werden.
Folgende Rahmenwerte sollten eingehalten werden:

  • Temperatur: 20 – 30 Grad, bevorzugt 24 und 26 Grad
  • Gesamthärte: unter 30 Grad
  • ph-Wert: 6 – 8,5

Geschlechterverteilung

Guppy Haltung
Männchen und Weibchen in einem Becken | fotolia.com

Wenn man sich Guppys anschafft, sollte man sich der enormen Fortpflanzungsrate bewusst sein. Ein Weibchen kann in einem Monat bis zu 100 Jungfische gebären. Auch wenn sich das erst einmal toll anhört, kann der Nachwuchs schnell überhand nehmen. Wenn du niemanden kennst, der deine Nachkommen abnimmt, solltest du über eine geschlechtliche Trennung nachdenken. Viele Anfänger haben das Problem, dass sie zu viel Nachwuchs haben und finden keine Lösung Tiere loszuwerden.

Geschlechtertrennung

Wenn man verhindern will, dass sich Guppys vermehren, dann sollte man entweder nur Männchen oder nur Weibchen zusammen halten. Häufig entscheiden sich Aquarianer dazu nur Männchen zu halten, weil diese deutlich kräftiger gefärbt sind.

Männchen und Weibchen zusammen halten

Eine weitere Möglichkeit um die Vermehrung zu stoppen sind Fische (z.B. Platys oder Fadenfische), die die jungen Guppys fressen. Wenn du jemanden kennst, der dir deine Guppy-Babys regelmäßig abnimmt ist dies ebenfalls eine gute Lösung. Wenn du dich dazu entscheidest Männchen und Weibchen zusammen zu halten, dann sollte die Anzahl der Männchen nicht höher, als die der Weibchen sein.


Das perfekte Guppy Aquarium

Beckengröße

Guppys sollten in Aquarien ab einer Breite von 60 cm und einem Volumen von 54 Litern gehalten werden. Von der Haltung in Nano Aquarien raten wir in jedem Fall ab.

Bepflanzung

Guppys brauchen nicht unbedingt Pflanzen im Aquarium. Dennoch hat sich hat die Bepflanzung des Beckens viele Vorteile. Guppys knabbern gerne den Aufwuchs und die Algen auf Blättern und Pflanzen ab. Außerdem ist die Überlebenschance von Jungfischen in unbepflanzten Aquarien sehr niedrig. Ein weiterer Vorteil von Wasserpflanzen ist die Optik. Denn wenn wir ganz ehrlich sind ist ein unbepflanztes Aquarium einfach nicht so schön, wie ein bepflanztes.

Guppy Aquarium
Bepflanzung des Beckens | jbl.de

Junge Guppys haben die besten Überlebenschancen, wenn das Aquarium dicht bepflanzt und mit einigen Schwimmpflanzen bestückt ist. Auch Erwachsene Guppys streifen gerne zwischen den Pflanzen hindurch. Besonders Weibchen wissen eine dichte Bepflanzung zu schätzen, da sich sich vor Männchen verstecken können, die ihnen während der Paarungszeit nachstellen. Im Guppy-Aquarium muss immer noch genug freier Schwimmraum vorhanden und sollte nicht komplett zugewuchert sein.

Einige Pflanzen, die sich für Guppy Aquarien eignen:

  • Vallisnerien
  • Anubias
  • Echinodorus
  • Javafarn
  • Javamoos
  • Froschbiss
  • Nixkraut

Einrichtung

Bei der Einrichtung des Aquarium kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Bodengrund und Dekoration können frei gewählt werden. Wie immer raten wir jedoch von kitschiger Einrichtung wie buntem Kies oder blubbernden Schatzkisten ab und empfehlen sich stattdessen an der Natur zu orientieren.


Vergesellschaftung von Guppys

Guppys sind friedliche, aber dennoch lebhafte Fische. Sie sind wie gemacht für kleinere und mittlere Gesellschaftsbecken. Dennoch gibt es Fische die sich besonders gut zur Vergesellschaftung eigenen und andere, die sich weniger gut eignen.

Geeignete Arten zur Vergesellschaftung

  • andere lebendgebärende Zahnkarpfen (Mollys, Schwertträger, Platys)
  • Welse
  • größere Garnelen (Baby-Garnelen werden von Guppys gefressen)
  • Zwergfadenfische (auf dichte Bepflanzung und genügend Rückzugsmöglichkeiten achten)
  • Schmerlen
  • Regenbogenfische
  • Salmler

Natürlich müssen sich die Anforderungen an die Wasserwerte der jeweiligen Art mit der des Guppys überschneiden. Da Guppys aber recht anspruchslos sind, ist dies in der Regel kein Problem.

Folgende Tiere sollten nicht mit dem Guppy vergesellschaftet werden

  • Flossenzupfende Fische: z.B. einige Barbenarten
  • Kampffische
  • Zwergarnelen
  • Buntbarsche: z.B. Diskus oder Skalar
  • größere Kugelfische

Guppy Zucht & Vermehrung

Ablauf der Fortpflanzung

  1. Das kleinere Männchen umwirbt das Weibchen
  2. Mit seinem aus der Afterflosse gebildeten Gonopodium gibt das Männchen seine Spermien in den Eileiter des Weibchens ab.
  3. Die Jungfische reifen im Laib der Mutter heran (Tragzeit: ca. 26 – 31 Tage)
  4. Nach Tragzeit gebärt das Guppyweibchen i.d.R. zwischen 10 und 20, in einigen Fällen auch bis zu 100 Junge

Besonderheiten der Fortpflanzung von Guppys

Guppys sind lebendgebärend. Das heißt, dass sie nicht ablaichen, sondern stattdessen voll entwickelte Jungfische gebären. Oft wird angenommen, dass Guppys keine Eier produzieren. Dies ist jedoch grundlegend falsch. Bei Lebendgebärenden Zahnkarpfen reifen die Eier im Körper des Weibchens. Die voll-entwickelten Jungfische schlüpfen dort und gelangen über einen Gebärkanal ins Wasser.

Eine weitere Besonderheit von Guppys ist, dass Guppy Weibchen Spermien speichern können. Sie können also durch nur eine Spermienübertragung mehrmals schwanger werden.

Schon mit 4 – 6 Wochen sind Guppy Weibchen Geschlechtsreif. Ein Guppy Weibchen kann in ihrem Leben über 1000 Jungfische zur Welt bringen.

Der Guppy trägt den Namen Millionenfisch aufgrund seiner außergewöhnlich hohen Vermehrungsrate.
Fast alle Fleisch- und Allesfresser bedienen sich an Guppy Jungfischen. Beispiele dafür sind Fadenfische, Platys oder auch Guppys selbst (Kannibalismus).
Die Größe des Wurfs hängt immer vom Größe, Alter und Beschaffenheit des Weibchens ab. Ein Wurf kann 5, aber auch 100 Fische groß sein. Viele Aquarianer berichten von einer durchschnittlichen Größe von 10 - 20 Jungen.
Guppys und Endler können ohne Probleme gekreuzt werden. Die Jungen sind nicht nicht eingeschränkt und zeugen Nachkommen. In der Regel gibt es aber keinen Grund die Arten zu vermischen, da die Nachkommen weder besonders schön, noch etwas besonderes sind.
Von der Befruchtung bis zur Geburt vergehen +/- 30 Tage.
Hat man eine schöne Zuchtform freuen sich andere Aquarianer über die Nachkommen. Andernfalls sind Guppys als Lebendfutter beliebt. Hat man keinen Abnehmer, sollte man über eine geschlechtliche Trennung nachdenken.

Schwangerschaft erkennen

Ein schwangeres Guppy Weibchen erkennt man an mehreren Merkmalen. Zum einen erkennt man die Schwangerschaft an einem dunklen Punkt am Bauch, dem Trächtigkeitsfleck. Wie auch beim Menschen wird der Bauch des Guppys dicker und kastenförmig. Man kann die Wehen eines schwangeren Fischs an sich immer wieder wiederholenden Muskelkontraktionen erkennen. In einigen Fällen reiben sich trächtige Guppys an Gegenständen im Aquarium, zittern und fressen weniger. Eine letzte Verhaltensweise von trächtigen Guppys ist, dass der Fisch aussieht, als ob er schwimmt, in echt aber an einer Stelle bleibt.

Jungfische füttern

Junge Guppys kann man mit kleingeriebenem, zerbröckeltem Flockenfutter füttern. Im Fachhandel sind spezielle Futtersorten für Jungfische erhältlich.

Guppys “professionell” züchten

Zuerst muss man sich dem Sinn der Nachkommen bewusst sein. Wenn man die Fische einfach nur vermehren möchte, damit man keine neuen Fische nachkaufen muss, dann geht man anders an die Sache heran, als wenn man mit der Zucht seine Guppys nach eigenen Farb- und Formvorstellungen züchten möchte.

Will man spezielle Merkmale herauszüchten und die ganze Sache “professionell” angehen, empfehle ich dir diese Seite: http://www.guppyseite.de/. Zur gezielten Guppy Zucht gehört eine Menge Wissen und Erfahrung, die den Rahmen dieses Ratgebers sprengen würde.

Guppy Geburt

Der Endler Guppy

Endler Guppy
Endler Guppy

Der Endler Guppy (Poecilia wingei) gilt als eigene Art. Diese Art ist mit 2 – 3 cm deutlich kleiner als die “normalen” Guppys. Sie stammen aus dem Norden Venezuelas und wurden erst im Jahre 1975 entdeckt.

Endler Guppys ähneln dem normalen Guppy in Sachen Haltung, Zucht und Ansprüche sehr stark. Auch wenn sie aufgrund ihrer sehr kleinen Körpergröße häufig in Nanoaquarien gehalten wird, empfehlen wir auch beim Endler eine Mindestbeckengröße von 54 Litern.

Guppys und Endler Guppys können fruchtbare Nachkommen zeugen. Eine Kreuzung ist allerdings nicht zu empfehlen, da reinrassige Endler Guppys immer seltener werden.

Weitere Infos zum Endler


Guppyarten

Durch Mutationen und gezielte Selektion gelingt es Züchtern, bestimmte Merkmale wie Flossenform und Farbe nach ihren Vorstellungen zu beeinflussen. Generation, um Generation prägt sich der gewünschte Phänotyp (Erscheinungsbild) immer weiter aus. Bei Hochzuchtguppys sind über viele Generationen hinweg bestimmte Merkmale verstärkt worden, sodass die unten gezeigten Flossenformen entstehen konnten.

Guppy Arten

Public Domain, Link

Großflosser (A-D)

A. Fächerschwanz

B. Triangelschwanz

C. Schleierschwanz

D. Fahnenschwanz

Schwertflosser (E-H)

E. Doppelschwert

F. Obenschwert

G. Unternschwert

H. Leierschwanz

Kurzflosser (I-L)

I. Spatenschwanz

J. Speerschwanz

K. Rundschwanz

L. Nadelschwanz

Guppys aus dem Zoogeschäft

Die im Zoofachgeschäft erhältlichen Guppys entsprechen in der Regel keiner der oben beschriebenen Flossennormen. Bei diesen Fische handelt es sich um Massenzüchtungen, die auf Kommerz abzielen. Oft sind diese Tiere aufgrund von Salz- und Antibiotika Zusätzen leider sehr empfindlich.

Wenn man Guppys zum gezielten züchten kaufen möchte, sollte man sich an andere Züchter wenden. Bei Züchtern bekommt man Zuchtpaare mit denen man weitaus mehr Spaß haben wird, als mit Guppys aus dem nächsten Zoofachgeschäft. Für den ganz Durchschnittsaquarianer sind Guppys aus dem Zoofachgeschäft nicht verkehrt. Achte beim Kauf aber immer auf dein Eindruck des Ladens und die Haltungsbedingungen. Und wichtig: Kaufe niemals aus Mitleid!


Quellen

http://www.zierfischverzeichnis.de/

https://de.wikihow.com/

https://youtube.com

Bilder

basuka – Pixabay.com

© underworld – Fotolia.com

© eevl – Fotolia.com

© pookpiik – Fotolia.com

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